Ressourcentyp

Tagungsdokumentation
2026

Zielgruppe

Einrichtungsleitungen, Leitungen auf Landesebene, Mitarbeiter:in (HPM) Familienbildung
… zur Entwicklung des Angebotsspektrums von Familienbildungseinrichtungen (01.-02.10.2026)

Mitarbeitende, Leitungskräfte und Multiplikatorinnen der Evangelischen Familienbildung nutzten die diesjährige Konzeptwerkstatt, um landesverbandsübergreifend zu beraten, welche Strategien der Angebots- und Einrichtungsentwicklung aktuell erfolgsversprechend sind. Diskutiert wurden die insgesamt problematischen Organisations- und Förderbedingungen, die fachlichen Profile und die Vernetzung der Einrichtungen, ihre Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit sowie gravierende Zielgruppenveränderungen. Folgende Aspekte wurde dabei besonders betont:

  • Vor allem die Gleichzeitigkeit von vielen strukturellen Veränderungen und Umstellungen macht den Einrichtungen zu schaffen und lässt sie verstärkt strategisch und priorisierend agieren. Unter dem vielfältigen Innovationsdruck, wegen schwindenden Rücklagen und Honorarkräften und bei erhöhter Konkurrenz (denn immer mehr Träger postulieren familienbezogene Prävention anzubieten) können nicht nur Fehlentscheidungen, sondern bereits Entscheidungsschwächen gravierende Folgen haben.
  • Angesichts des unsteter, reservierter und zugleich anspruchsvoller werdenden Teilnehmenden-Verhaltens stagniert und verliert das Kerngeschäft, so dass es neben dem bislang sicheren Kursgeschäft verstärkt programmatische Entwicklungen und neue Bedarfsermittlungen braucht. Auf Fehlentwicklungen (z. B. die Flutung kostenloser Angebote durch Besserverdienende) bzw. auf mögliche Entwicklungsansätze (z. B. in Kooperation mit Gesundheits- oder Verbraucherbildung) kann systematisch das Qualitätsmanagement und können anschaulich die Kursleitenden und Teilnehmenden-Befragungen hinweisen.
  • Einerseits ist mit hohen Ansprüchen von immer mehr Eltern umzugehen, da sie ihre knappe Zeit effektiv genutzt sehen wollen und sie die Angebote mit den weitgehend kostenlosen Angeboten der Familienzentren, frühen Hilfen und anderen Kinder- und Jugendhilfe-Angeboten vergleichen – auch mit kostenlosen kirchlichen Angeboten. Anderseits wird das Anmeldeverhalten immer unbeständiger, die Eltern nutzen Widerrufsrechte stärker, und unter ihnen herrscht verbreitet Unsicherheit hinsichtlich ihres Erziehungs- und Medienverhaltens, ihrer Rollenwahrnehmung und Vereinbarkeitsvorstellung.
  • Es muss stärker auf den wachsenden Bedarf benachteiligter Familien eingegangen und neu versucht werden, in den Blickpunkt von Eltern zu kommen, für die das etablierte Kursangebot bislang nicht oder nicht mehr in Frage kommt. Gefragt sind Angebote mit Handlungsbezug und konkreter Unterstützung und im Vorfeld dazu niedrigschwellig beratende und möglichst mobile Angebote (z. B. Angebote vor dem Lidl, auf dem Spielplatz, im Schwimmbad). Im Kern geht es um gemeinschaftsstiftenden Erfahrungsaustausch, den die Einrichtungen für jene Eltern aber zunächst einmal in kurzweiligen Formaten greifbar werden lassen müssen.
  • Die direkte Ansprache von Vätern – neben der schon gut praktizierten über ihre Frauen und Kinder – ist weiter zu verbessern, zugleich aber nicht zu vergessen, wie breit die Interessen und Fragen von Vätern und Müttern sich überschneiden. Auch sind männliche Kursleitungen nicht unbedingt ein Erfolgsfaktor, wichtiger ist, dass das Thema trifft (z. B. „Mein Vater und ich“) und dass die Räumlichkeiten nicht nur für Mütter einladend wirken.
  • Es gilt, Ansätze zu multiplizieren, wie Teilnehmende über niederschwellige, kostenfreie Angebote und Projekte hinaus für regelmäßige Angebote und (ermäßigte) Teilnahmegebühren zu gewinnen sind, denn das wird bei allen Unwägbarkeiten in der einen oder anderen Weise die Basis der Bildungsarbeit bleiben und bürgt immer auch dafür, dass die Einrichtungen nicht fördermittelgetrieben, sondern vielmehr ausgehend von den Interessen und Fragen der Familien agieren.
  • Mit digitalen Einzelangeboten lässt sich gut allgemeine Öffentlichkeitsarbeit verbinden und auch eine breite Resonanz erzielen, insbesondere bei Eltern mit wenig Zeit und vielen Vereinbarkeitshürden und in ländlichen Bereichen mit wenig Angebotsvielfalt. Bei digitalen Abendangeboten etwa finden sich auch oft Paare vor dem Bildschirm. Zudem sind im digitalen Raum diverse Nischenangebote zu erhalten und auszuprobieren. Schließlich hilft das digitale Angebotsspektrum, die Einrichtungen mit Blick auf künftige Pandemien krisensicherer aufzustellen.
  • Leider werden die „Gewinner-Verlierer-Konstellationen“ breitflächiger und besonders die untere Mittelschicht wächst. Um diese Spaltungen nicht selbst noch zu befeuern, müssen die Einrichtungen sich stärker als präventive Kooperationspartnerinnen für Jugendämter anbieten – auch, weil dort in naher Zukunft beträchtliche, zurzeit noch gebundene Finanzmittel, neu zu verhandeln sein werden.
  • Das hohe Engagement, die ressortübergreifende Vernetzung und die finanzielle und organisatorische Kreativität der Einrichtungen sind „Fluch und Segen“ zugleich: Hilfreich sind sie, um den aktuellen Träger- und Sozialmittelkürzungen zu begegnen, allerdings führen sie auch zu noch gesteigerten Zumutungen und zur falschen Sicherheit, dass die Einrichtungen noch unter widrigsten Bedingungen einen Weg finden. Im schlechten Fall erwecken die krisenerprobten und mischfinanzierten Einrichtungen den Eindruck, dass für sie auch sich weiter verschlechternde Rahmenbedingungen nicht existenzbedrohend seien, beziehungsweise sinkende Hauptzuwendungen durch Teilnahmegebührenerhöhungen und mehr Drittmittelakquise aufzufangen wären. Deswegen gilt es gegenüber Trägern und Förderern kontinuierlicher und transparenter zu kommunizieren, wie ernst die Lage ist und was für sie aktuell auf dem Spiel steht.
  • Das finanzpolitisch präferierte „süße Gift“ der Projektfinanzierung im Sozial- und Bildungsbereich macht sich in den Einrichtungen bemerkbar durch finanzielle Abhängigkeiten, organisatorische Überforderung und unausgewogene Gesamtstrategien. Zugleich wird die Fördermittelgewinnung härter, nicht zuletzt wegen dem KI-forcierte Antragsaufkommen. Anderseits verzögern die bisherigen „Cashcows“ auch längst notwendige Weichenstellung und Neuerungen. Die Einrichtungsleitungen sind daher angehalten, eine Balance zwischen fördermittelgetriebener und nachfrageorientierter Finanzierung/Organisation zu finden.
  • Landesweite und möglichst auch trägerübergreifende Abstimmungen, die den Einrichtungen helfen, sich im Gesamtgefüge besser platzieren und profilieren zu können, und Synergien zwischen Einrichtungen und Trägern besser zu nutzen, werden wichtiger. Die einrichtungs- und trägerübergreifende Lobbyarbeit ist auszubauen, und dies auch hinsichtlich von Multiplikator:innen, die bereits im Umfeld von Geldgebern über Familienbildung qualifiziert und positiv sprechen können und dort bestenfalls einen „Elevatorpitch“ parat haben.
  • In erster Linie ist der steil steigende Familienbildungsbedarf sozial- und bildungspolitisch zu kommunizieren: immer mehr Familien sind von zunehmender Verunsicherung und Benachteiligung betroffen und entsprechend hohes Interesse haben sie an Lern- und Sozialangeboten und ihrem Ausbau. Angesichts dieser quantifizierbar hohen Nachfrage sind gezielte Investitionen gefragt. Durch Beschwerde lassen sich die strukturellen Defizite der Familienbildungslandschaft und die chronisch fehlenden Verstetigungsmittel, um Personal- und Raumkosten zu decken, kaum verändern. Es ist kaum zielführend, sich lediglich auf Spar- und Abfederungsdiskussionen einzulassen beziehungsweise sich am Ende nur mit Sachkosten- und befristeten Anschlussfinanzierungen abzufinden.

Für die vielen Impulse und das hohe Interesse an kollegialer Beratung und Vernetzung bedankt sich die EEB-Fachgruppe Familienbezogene Erwachsenenbildung bei allen Teilnehmenden. Die vielschichtigen Zielgruppenveränderungen und ihre Konsequenz für die Angebotsplanung und Organisationsentwicklung wird die Fachgruppe im kommenden Jahr im Rahmen einer Tagung weiterverfolgen. Und für einen Austausch zur Schärfung der Marketing- und Lobbyarbeit bietet sich efabiNet an.


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Evangelische Erwachsenenbildung - Bundesverband

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